Soziales Jahr Ausland

Erfahrungsbericht Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika

Südafrika ist uns durch Nelson Mandela, das Kap der Guten Hoffnung, Rotwein und die nächste Fußball-WM ein Begriff. Markus leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Projekt für Waisenkinder ab. Denn Südafrika ist auch eines der am stärksten von AIDS betroffenen Länder der Welt. Hier Auszüge aus seinen Rundbriefen.

Mein Projekt

Das Projekt „Gods Golden Acre“ (Gottes goldenes Stück Land) ist eine sehr große Einrichtung, in der momentan etwa 60 Kinder untergebracht sind, die dort wohnen, dann extern zur Schule gehen und sonst den Rest der Zeit betreut werden. Es sind hauptsächlich Waisenkinder, die aus der Umgebung kommen und zwischen drei und 18 Jahren alt sind. Sechs von ihnen leiden an AIDS und bekommen spezielle Medizin, die ihr Immunsystem stärkt. Darüber hinaus wohnen im Projekt noch elf Chormänner im Alter zwischen 19 und 28 Jahren, die alle total nett sind und mit denen ich mich richtig gut verstehe.

Als ich ankam, gab es insgesamt 18 Freiwillige (aus USA, Kanada, Irland, Belgien, Norwegen, England, Deutschland, Holland) doch mittlerweile sind es 30, die in den verschiedenen Abteilungen arbeiten.

Ich selbst bin im sog. Building Team und baue, einfach gesagt, Häuser. Wir bauen entweder für Kinder, deren Eltern gestorben sind oder wir bauen Häuser für öffentliche Einrichtungen, wie zum Beispiel eine Vorschule oder eine Küche für eine Kinderkrippe. Mein Vorarbeiter heißt Babba Elliott, er ist ein 60-jähriger Zulu, der jede zweite Nacht um 2:30 Uhr aufsteht und seine 30 Km läuft. Er trainiert nämlich für den Comrades-Marathon, ein 89 Km langer Lauf, der von Durban nach Pietermaritzburg führt. Also ein richtig abgefahrener Typ, mit dem ich mich aber super verstehe, wie eigentlich mit jedem Zulu hier!

Meine Wohnung

Ich wohne im "Outreach". Das ist eine etwa 10 Km vom Projekt entfernte, gemütliche, ruhige Zimmerreihe, mitten im Valley, umgeben von Kühen und Bambus-Rohren. Ich habe dort mein eigenes Zimmer, worauf ich sehr stolz bin, wenn ich sehe, wie die anderen Freiwilligen so untergebracht sind. Es gibt Warmwasser, eine gut ausgestatte Küche und sogar eine Waschmaschine. Das ist für hiesige Verhältnisse absoluter Luxus.

Reisen

Ich hatte jetzt schon an zwei Wochenenden frei und bin ein bisschen herum gekommen. Einmal war ich in Pietermaritzburg, die Hauptstadt der Region "KwaZulu-Natal" und das andere mal war ich etwas nördlich von Durban, an der Küste. Dort habe ich Safari gemacht, habe Giraffen, Nashörner, Gnus, Büffel, Antilopen direkt neben meinem Auto gesehen und war am Strand, der locker mit denen von der Karibik mithalten kann. Ein kleines Highlight: wir gingen abends durch die Straßen von St. Lucia (in der Stadt, wo wir übernachteten) und sahen plötzlich neben der Hauptstraße ein junges Nilpferd gemütlich grasen. What the hell are you doing there?

Dann ging es über das Kap der Guten Hoffnung nach Kapstadt, wirklich eine der schönsten Städte der Welt! Kapstadt ist einfach wunderschön, sehr interessant, aber sehr durch den westlichen Einfluss geprägt. So genossen wir das städtische westliche Leben mit all seinen Besonderheiten.

Natürlich durften auch der Besuch des Tafelbergs und von Robben Island nicht fehlen. In Kapstadt hat man von den Unruhen im Land gar nichts gemerkt und die Stadt wirkt generell im Zentrum sehr sicher. An jeder Ecke steht ein Security-Mann. Und es gibt unzählige Kameras. So fiel meine ständige Unruhe von mir ab, immer die Augen nach Überfällen offen zu halten. In der Stadt gibt es kaum Schwarze, sondern eher gemischte Bevölkerung oder eben Weiße. Fast alle sprechen "Afrkikaans" (sodass ich nichts verstehe) und es wird viel importierter Krimskrams aus Übersee verkauft.

Kapstadt ist wirklich ganz anders als die Gegend hier, wo ich wohne. Ich bin froh, dass ich ein Jahr hier in Kwa Zulu Natal war und das wahre Afrika kennen gelernt habe, als dass ich durch das westliche Kapstadt nur die wohlhabende Seite des Landes kennen gelernt hätte.

Zur WM 2010

Anhand dieser WM kann man ziemlich gut einige Probleme Südafrikas erklären. Fußball ist der Sport der Schwarzen: ich war bei einem Spiel im Stadium zwischen den beiden Top-Teams der südafrikanischen Liga und es waren nur schwarze Zuschauer im Stadium (einschließlich der Spieler). Cricket und Rugby sind hier die Sportarten der Weißen. Die WM-Spiele finden in den großen Städten statt, wo in letzter Sekunde die Stadien hochgezogen werden.

In Durban entsteht ein riesiges Stadium, wo ab und zu die Arbeiter streiken, wodurch der Bau immer wieder verzögert wird. In Kapstadt wird das neue Stadium bald gebaut, aber es soll in einem Viertel der Weißen entstehen, bei denen sich der Widerstand regt, denn sie wollen dort lieber einen Golfplatz haben.

Die Live-Übertragungen (Public Viewing) auf Leinwänden sollen in den weißen Vorstädten stattfinden, wo sie sich aber keiner anschauen wird. Die Preise für die Tickets stellen ein weiteres typisch südafrikanisches Problem dar. Es ist gibt natürlich eine schwarze Oberschicht, die sich die Tickets leisten kann. Aber wie soll eine einfache Familie aus einem Vorort Durbans, Kapstadts oder Johannesburgs 600 Rand für ein Ticket aufbringen, wenn sie damit drei Schuluniformen bezahlen könnte? Es sieht fast so aus, als würden die Stadien leer bleiben und das in einem Land mit so großer Fußballbegeisterung.

Vom Aufschwung Südafrikas profitieren bisher nur ungefähr geschätzte 5% der Leute. In Durban fahren die teuersten Mercedes und BMW-Modelle herum, die Autobahnen sind in sehr gutem Zustand, die Häuser haben Swimmingpool und Tennisplatz- da glaubt man gar nicht, in Afrika zu sein. Doch wer erwirtschaftet diesen Wohlstand? Die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich immer weiter aus.

Vom Aufschwung Südafrikas profitieren bisher nur ungefähr geschätzte 5% der Leute. In Durban fahren die teuersten Mercedes und BMW-Modelle herum, die Autobahnen sind in sehr gutem Zustand, die Häuser haben Swimmingpool und Tennisplatz- da glaubt man gar nicht, in Afrika zu sein. Doch wer erwirtschaftet diesen Wohlstand? Die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich immer weiter aus.

Man sieht den Aufschwung hier im Valley zum Beispiel an asphaltierten Straßen oder Wasseranschlüssen. Doch der Aufschwung bei den Wohlhabenderen steigt im Vergleich zum Aufschwung bei der armen Bevölkerung ungleich schneller, was die Ursache der sozialen Probleme ist. In Deutschland gibt es auch diese Tendenz, aber das passiert auf einem ganz anderen Niveau.



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