Uh-Myong Ha, 20 Jahre alt, ist Sohn koreanischer Eltern, aber in Deutschland geboren. Er leistete sein Freiwilliges Soziales Jahr in Südkorea ab, nicht nur um in einem sozialen Projekt zu arbeiten, sondern auch um die Menschen, die Kultur und die Sprache der Heimat seiner Eltern und Verwandten kennen zu lernen. Hier einige Ausschnitte aus seinen Erfahrungsberichten.
Meine Aufgabe in dieser Einrichtung besteht darin, mich mit den Kleinkindern zu beschäftigen, sie zu beaufsichtigen und ihnen Englisch beizubringen. Vor allem Letzteres kann sehr anstrengend sein, so wie heute. Eigentlich ist es heute ganz gut verlaufen, aber es ist ja der erste Tag und ich muss mich erst mal wieder daran gewöhnen, so ca. zehn Kinder auf einmal um mich herum zu haben, die alle etwas von mir haben und mit mir spielen wollen. Aber ich bleib da am Ball. Neben den Kleinkindern werde ich auch Mittelschulkinder betreuen, von denen ich schon zwei Mädchen getroffen habe und mit ihnen Englisch üben und ihnen bei ihren Hausaufgaben helfen. Leider hab ich heute nur ein Bild machen können als ich am Waisenhaus war, da die ganze Zeit an mir herumgezerrt wurde ...
Die anderen Freiwilligen in der Einrichtung kommen von der Universität oder auch von Schulen . Es war schon ziemlich interessant, sich mit ihnen zu unterhalten, weil die Leute hier sehr begierig darauf sind, Englisch zu sprechen. Man kann dem eigentlich kaum entfliehen, denn wenn einmal herumgesprochen hat, dass man Englisch spricht, muss man 24 Stunden am Tag dazu bereit sein, jemanden Dinge zu erklären. Es macht auch Spaß, obwohl es schon schwierig ist, ihnen hier Englisch oder das Lesen beizubringen, da die Leute hier ja ihr eigenes Alphabet haben und sich daher das lateinische Alphabet erst noch aneignen müssen.
Traditionellerweise muss man immer zum Familienoberhaupt gehen (in meinem Fall zur meiner Oma) und zu diesem Fest werden eben die Ahnen und die Familienoberhäupter geehrt. Beim Familientreffen gibt es dann eine Menge zu essen wie Reiskuchen (sehr süß!) und eine Menge anderer Leckereien, was dann für das Familienoberhaupt meistens immer sehr viel Stress bedeutet, da ja all die Speisen vorbereitet werden müssen.
Aber auch sonst ist das Fest mit Hektik verbunden, da die meisten Leute aus der Hauptstadt Seoul wieder zurück in ihre Heimatdörfer fahren wollen, um die Familienoberhäupter zu besuchen. Dabei geht man bei Ehepaaren immer zu der Familie des Mannes. Das bedeutet, dass immer um diese Zeit Seoul von so vielen Leuten verlassen wird, dass es zu etlichen Staus kommt. Es kann passieren, dass man auch mal zwölf Stunden im Stau steht.
Die Kinder und Jugendlichen freuen sich um diese Zeit (neben dem ganzen Essen, Trinken und Spielen) besonders auf das so genannte Festgeld, das man von den Älteren bekommt. Das Geld wird dabei in einem roten Umschlag übergeben und soll Glück bringen.
Unglücklicherweise leidet die Familie meines Onkels an einer Augenkrankheit, weshalb wir nicht zu meiner Oma gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß ist. Ich hab bis jetzt das Glück gehabt, noch nichts von dieser Krankheit abbekommen zu haben, da meine Tante immer mit Akupunkturnadeln herumläuft und ständig meine Hand pieksen will.
Erfahrungsberichte gesucht!
Schickt Eure Erfahrungsberichte bitte an Renia Warzych: info@stellenboersen.de

